Warum ich meinen Kriegsdienst nachträglich verweigert habe

von | Mai 15, 2026 | Abenteuer Frieden

Warum ich meinen Kriegsdienst nachträglich verweigert habe

 

Manche Entscheidungen trifft man nicht einmal.

Sie holen dich Jahre später wieder ein.

Ich bin in einer Zeit aufgewachsen, in der der Wehrdienst normal war. Es war kein großer Diskurs. Keine bewusste Abwägung. Es war einfach der Weg.

Als ich mein Gelöbnis abgelegt habe, stand meine Mutter neben mir. Es war ein Moment, der sich richtig angefühlt hat. Für mich. Für meine Familie. Wir waren zufrieden.

Und genau darin liegt etwas, das ich heute anders sehe:

Zufriedenheit bedeutet nicht automatisch, dass man verstanden hat, was man da eigentlich tut.

Nach meiner Dienstzeit ist das Thema für mich verschwunden. Der Kalte Krieg war vorbei, die Wehrpflicht wurde ausgesetzt. Es gab keinen Anlass mehr, mich damit auseinanderzusetzen.

Doch das Leben hat seine eigenen Wege.

Ich begann zu wandern. Durch die Alpen. Durch Europa. Später auch durch Israel. Und immer wieder bin ich Spuren begegnet. Zerstörung. Alte Grenzen. Orte, die erzählen, was passiert, wenn Gewalt Realität wird.

Diese Erfahrungen habe ich in meinem ersten Buch „Aufgebrochen, um frei zu sein“ beschrieben.

Damals habe ich noch nicht verstanden, wohin mich das führt. Aber etwas hat sich verändert.

Ein entscheidender Wendepunkt war meine 40-tägige Wanderung „Abenteuer Frieden“. 40 Tage unterwegs – ohne Geld, mit dem Vertrauen auf die Menschlichkeit.

Was ich dort erlebt habe, war klar:

Die meisten Menschen wollen keinen Krieg. Sie wollen FRIEDEN. Sie leben Werte wie Vertrauen, Respekt und Mitgefühl.

Gleichzeitig wurde ich auf dieser Reise mit meiner eigenen Vergangenheit konfrontiert. Mit meiner Zeit bei der Bundeswehr. Und plötzlich stand eine Frage im Raum, die ich nicht mehr ignorieren konnte:

Kann ich das, was ich heute lebe und glaube, mit dem vereinbaren, was ich damals getan habe?

Diese Reise und die Erkenntnisse daraus habe ich in meinem zweiten Buch „Abenteuer Menschlichkeit“ festgehalten.

Aber die eigentliche Entscheidung ist nicht im Buch entstanden. Sondern in mir. Ich habe erkannt:

Frieden ist nichts, das im Außen beginnt. Er beginnt bei uns selbst.

Das ist ein Satz, den ich in meinen Vorträgen oft sage:

„Alles beginnt bei uns selbst – will ich Frieden, dann beginne ich bei mir.“

Und genau das habe ich getan. Ich habe meine eigene Geschichte hinterfragt. Meine Entscheidungen. Meine Haltung. Und ich bin zu dem klaren Ergebnis gekommen:

Ich kann den Dienst an der Waffe heute nicht mehr mit meinem Gewissen vereinbaren.

Diese Entscheidung passt nicht in den aktuellen Zeitgeist. Wir sprechen von Aufrüstung, von Abschreckung, von militärischer Stärke. Aber ich glaube, wir stellen zu selten die grundlegende Frage:

Was davon hat wirklich zu dauerhaftem Frieden geführt? Und was haben wir vielleicht noch nicht konsequent versucht?

Für mich ist daraus eine Haltung entstanden:

Ich möchte meinen Beitrag leisten – aber nicht durch Gewalt. Sondern durch Bewusstsein, Dialog und Menschlichkeit. Oder um es mit den Worten von Ulli Thiel zu sagen:

„Frieden schaffen ohne Waffen.“

Das ist kein einfacher Weg. Und sicherlich nicht der bequemste. Er bedeutet:

  • Kritik auszuhalten
  • Gegenmeinungen stehen zu lassen
  • nicht immer verstanden zu werden

Aber genau darin liegt für mich Selbstführung.

👉🏻 Schritt 1: Hinsehen

👉🏻 Schritt 2: Hinterfragen

👉🏻 Schritt 3: Und dann bewusst entscheiden

Heute sehe ich mich als jemand, der versucht Frieden zu stiften. Nicht perfekt. Aber ehrlich.

Meine Mission ist klar:

FRIEDEN STIFTEN UND MENSCHLICHKEIT IN DIE WELT BRINGEN.

Und genau deshalb gehe ich jetzt den nächsten Schritt:

Ich möchte Räume schaffen, in denen Menschen sich mit diesen Fragen auseinandersetzen können.

Als Berater für Kriegsdienstverweigerung. Für junge Menschen. Für Reservisten.

Und im Dialog – z. B. bei Veranstaltungen wie am 09.06.2026 in Schwäbisch Hall.

Nicht, um Antworten vorzugeben. Sondern um Menschen zu ermutigen, ihre eigenen zu finden.

Euer Friedensstifter 🕊️
Gunther

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